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Und dann gehn die Lichter aus ...

Strategy

Alles muss, best­mög­lich, geregelt werden. Und wenn etwas nicht wie gewünscht funk­tio­niert, dann brauchen wir – lo­gi­scher­wei­se – mehr Regeln. Und am besten noch mehr Tech­no­lo­gie, dann wird das schon.

Oder gibt es für manche Probleme auch andere Lösungen?

Wenn an be­stimm­ten Stellen durch ein hohes Ver­kehrs­auf­kom­men – Fußgänger, Radfahrer, Autos, Stra­ßen­bah­nen – die Un­fall­ge­fahr hoch ist und der Verkehr oft alles andere als zügig läuft, dann brauch “man”? Mehr Ampeln. Und viel­leicht noch eine bessere Regelung der “Licht­zei­chen­an­la­gen”, wozu haben wir denn die moderne Technik?

Die Ampeln aus­schal­ten …

Um Gottes Willen!

Aber bevor Sie sich bei dem Gedanken in die Hose machen: der Versuch wurde durch­ge­führt. Im Ausland. Er­folg­reich. Nix passiert, ausser dass sich die Un­fall­ge­fahr nicht erhöht hat und der Verkehr teilweise sogar flüssiger gelaufen ist.

Falls das mit der Hose schon passiert ist, dann wechseln Sie halt.

Der Versuch wurde nicht in Deutsch­land durch­ge­führt sondern in Holland. Also, ganz cool bleiben. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es solche (er­folg­rei­chen) Versuche in re­gel­wü­ti­gen Ländern al­ler­dings auch schon. Also wohl auch in Germany. Warum sich das (noch?) nicht weiter durch­ge­setzt hat ist eine gute Frage. “Zu ge­fähr­lich!” werden einige laut ausrufen. Und andere werden darauf hinweisen, dass bei einer er­folg­rei­chen Ver­brei­tung solcher Ideen ja dann weniger “Licht­zei­chen­an­la­gen” oder auch Ampeln verkauft werden würden. Weniger Tech­no­lo­gie halt. Und das geht ja nun garnicht.

Zurück zum Versuch:

[..] The new setup forced people to engage with their sur­roun­dings. They had to change the be­ha­viou­ral rituals they had fallen into in order to adapt. Instead of relying on traffic lights, they now relied on their own abilities and the cues of others. This ad­ap­ta­ti­on takes time and is a complex cognitive process: brain neurons work overtime, senses are heigh­te­ned and multiple levels of in­for­ma­ti­on have to be un­ra­vel­led. [..]

Klingt seltsam, unter anderem deshalb, weil’s Englisch ist. Der Absatz bedeutet aber nix anderes als: die Leute haben gelernt. Das ist übrigens in manchen anderen Bereichen auch so: wenn Menschen etwas selb­stän­dig machen dürfen, dann passiert es manchmal, dass die das dann auch lernen. Wenn etwas nicht selb­stän­dig gemacht werden darf, dann wird das auch nicht gelernt und wir brauchen Regeln und Tech­no­lo­gie zur Un­ter­stüt­zung. Oder so.

[..] Indeed, delay was reduced and safety un­af­fec­ted. But arguably more im­port­ant­ly, we showed that people became more aware of other people, adapting decision-making processes in so­phis­ti­ca­ted ways. It shows that a human-centred­de­sign of in­ter­sec­tions can be a tool to increase in­ter­ac­tion, cohesion, and in turn even social capital. Other research has also made this con­nec­tion. [..]

Klingt ebenfalls kom­pli­ziert. Ist halt auch Englisch. Kurze Zu­sam­men­fas­sung: Ver­zö­ge­run­gen sind weniger geworden und die Un­fall­ge­fahr ist nicht gestiegen. Und was ganz seltsames ist auch noch passiert: die Leute haben mehr auf andere Leute geachtet. Es scheint also schon so zu sein, dass, wenn Tech­no­lo­gie reduziert wird, Menschen ein ganz ei­gen­ar­ti­ges Verhalten zeigen?

Ob nun die Ideen in Betrieben, beim Umgang mit Mit­ar­bei­ter, beim Umgang mit Kindern umgesetzt werden können wage ich zu be­zwei­feln. Schliess­lich wissen wir ohne die richtige APP nicht mehr, ob wir auch gut ge­schla­fen habe und sind größeren An­for­de­run­gen sicher nicht mehr gewachsen.

Oder so.

Link


P.S.: Der Artikel hier passt auch wieder zum Thema. Find.


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